Ahnenpower

Seminar vom 01. bis 03. November 2013 in Kakenstorf

Das Thema 'Ahnen' wurde den Teilnehmern auf vielfältige Weise erschlossen. Unsere Geschichte ist auch die Geschichte unserer Vorfahren. Davon ausgehend konnten wir Ihre Irrtümer ebenso wie ihre Leistungen näher betrachten. Damit haben wir die Voraussetzung geschaffen, unsere eigene Geschichte anzunehmen. Mit unterschiedlichen Herangehensweisen konnten Fragen erörtert werden, die letztendlich eine neue Dimension im Umgang mit den Ahnen aufzeigten. Als Europäer haben wir hinterfragt, was für einen Preis wir bezahlt haben, für unsere Freiheit. Auch, wie es dazu gekommen ist, dass wir uns immer weiter weg von der Gemeinschaft entwickelt haben.

Als Consens wurde deutlich, dass es eines Prozesses bedarf, um unser Verständnis von einer Gemeinschaft, die unterstützt, zu heilen. Hierzu tat sich die Frage auf, was wir tun können, um eine Verbindung zu den Ahnen zu heilen? Es bedarf einer neuen Sichtweise, um aus dem Brunnen der Ahnen trinken zu können.

Für unsere Entfremdung von unseren Ahnen gibt es drei wichtige Hintergründe. Diese gilt es erst zu heilen, bevor wir unsere Beziehung zu den Ahnen herstellen können.

  1. A. Individualismus – als derzeit höchster Wert: das Wichtigste, um uns davon zu lösen ist, dass wir die Gemeinschaft wertschätzen als das, was uns trägt. 
    Wenn wir individuell weitermachen, werden wir immer einsamer und kleiner. Es ist eine große Stütze, die fehlt. In der Geschichte der Aufklärung gibt es die Vorstellung: „Ich bin ein Einzelwesen“ mit anderen Menschen kann ich etwas zu tun haben – muss ich aber nicht. In unserer Kultur ist nichts mehr bindend – das ist der Hintergrund für die Entfremdung.

  2. B. Die Konsequenzen des 3. Reiches und Ahnenkult – hier sind wir der Frage nachgegangen, wie wir das erlösen können. Es wäre gut, den eigenen Umgang mit diesem Thema zu entwickeln. Das 'Kompost'-Thema ist ein wichtiges Element zur Heilung. Wir können Nahrung daraus beziehen. Das Elend hatten unsere Vorfahren und wir haben die Verpflichtung mit alten Strukturen aufzuräumen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig uns dessen bewusst zu sein, dass wir alle ein Mischmasch an Europäer sind. Das Konstrukt von Rasse, dass eine gewisse Körpererscheinung einen moralisch-ethischen Wert hat – diese Anschauung können wir ruhig hinter uns lassen. Der Brunnen der Ahnen wurde von den Nazis eindeutig vergiftet. Das hält so lange an, wie wir diesen Theorien Glauben schenken und aufrecht erhalten. Wir können offen zu unseren Werten stehen: Fürsorge, Mitgefühl, Toleranz, Respekt, Nächsten-liebe.

  3. C. Materie und Zeit sind trennende Aspekte. Wissenschaft und Aufklärung vertreten die These: 'nur das Anfassbare ist möglich'; Unsere Vorstellung von Materie ist: die Materie ist das Wichtigste; wenn die weg ist, ist alles weg. Das ist eine naturwissenschaftliche Sichtweise. Wie soll man da eine Beziehung zu den Ahnen aufbauen? Die Vorstellung – die Zeit rinnt wie ein linearer Fluß dahin, läßt die Frage offen, wie ich da zurück soll zu meinen Ahnen? Es geht darum, das starre traditionelle Bild von Naturwissenschaft aufzulösen; Zeit ist relativ. Wir können in Verbindung mit unseren Ahnen kommen. Der normale Stammbaum kann uns helfen: ein Kraftbaum, der jeden Atemzug enthält. Ein Baum, über den wir die Verbindung zu unserem Stamm haben; In vielen schamanischen Kulturen gibt es keine Aufzeichnungen (z.B. eine Ahnenreihe mit Namen + Geburtsdatum der Vorgefahrenen Generationen) – sie meinen wirklich einen Baum mit Stamm. Die Tradition 'Hölzchen' zu holen, gibt es in allen Stämmen. Alles womit ich kommuniziere, das kommuniziert mit mir!


Wenn wir diese Hindernisse heilen, wird der Weg ein Stück Weg frei für ein schöneres, artgerechtes Leben. Mit einem gemeinsamen Ritual wurde die Bereitschaft zu Sehen, und die Bereitschaft, das Wissen unserer Ahnen zu trinken, bekräftigt. Die wichtigsten Dinge gehen nie verloren. Und wenn wir eine Information erst in drei Jahren benötigen, so liegt es an uns, danach zu graben. Für die Frau sind die nächsten Verwandten: die Mutter und Mutters Mutter. Für den Mann sind sind es: der Vater und Vaters Vater. Alle Anderen – das ist der Suppentopf, aus dem wir uns etwas auf den Teller holen.

Wir sind beschränkte Menschen und bekommen nicht alles erledigt. Da sollten wir das annehmen, was wir auf den Teller bekommen. Hinschauen, was unerlöste Themen sind und wo die Werkzeuge sind, mit denen wir das erlösen können: z.B.Gebild-Brote, eine Brezel, als Zeichen der Umarmung. Ein Zopf-Brot – Männer und Frauen trugen einen Zopf als Zeichen der Verflechtung mit den Ahnen. Wir flechten ein Ahnenband und schauen welche Aufgabe (ist auch eine Gabe) und welche Stärken wir mitbekommen haben. Wir haben die Wahl, Aufgaben anzunehmen, oder sie weiterzuschieben.

Unseren Vorfahren können wir uns auf verschiedene Arten nähern über:
  • die Sprache (Ahne – Wortwurzel: Hauch → Ahnung oder das Wort Enkel – Wortstamm: kleiner Ahne) oder über
  • Mythen (Aschenputtel – hat von ihrer verstorbenen Mutter einen Zauber zu Verfügung gestellt bekommen – er hat sie an ihren Spuren erkannt – zusammen packen sie es an);

In unserer Kultur hat das Fegefeuer einen Prüfungscharakter z.B. ob wir erkennen, daß Sorge und Angst eine Illusion sind.

In schamanischen Kulturen ist ein Zwischenraum dafür da, um zu schauen, ob wirklich die Bereitschaft da ist, das Erdenleben hinter sich zu lassen. Alle Schwierigkeiten kommen uns entgegen – da liegt es an uns, diese Angstphantasien zu verjagen. Vorbei ist vorbei. Traditionelle Kulturen bringen das ihren Leuten bei bevor sie sterben. „Im Licht“ bezeichnet zu wage für Schamanen; sie sprechen vom Ahnenhaus – da befinden sich alle unsere freien Ahnen. Sie haben sich schon durch den Zwischenraum durchgekämpft. Wenn wir diese freien Ahnen bitten, uns zu helfen, kommen sie und tun das, solange wir ihnen das erlauben. Dabei sollten wir beachten, dass sie nur aktiv werden, wenn sie gebeten worden sind von uns. Sie dürfen uns nicht die Tür eintreten und keine Entscheidungen für uns treffen.

Auf einer geführten Reise in eine schöne Landschaft sind wir den Fragen nachgegangen: Welcher Segen der Ahnen auf uns ruht – und – was unsere Ahnen Wertvolles in uns sehen. Unsere Ahnen sind mit der Natur und der Kultur verbunden. Die Schönheit einer Landschaft kann nur erkennen, wer sich mit ihr verbunden fühlt. Es geht auch immer um die Gemeinschaft. Wenn wir bedenken, dass es das Schönste und Beste ist, das unsere Ahnen in uns sehen, ist es der nächste Schritt, uns bei ihnen zu bedanken. Ahnen legen durchaus Wert auf Gaben – das hat nichts mit Opfer zu tun. Auf einem Ahnenaltar kann der Jahreszeit entsprechend etwas Duftendes – Apfel, Quitte, Tannenzweig usw. gelegt werden. Wenn uns bewusst wird, was wunderbar ist, an den heutigen Zeiten, dann können wir dankbar einen Zweig auf den Ahnenaltar legen. Das kann den grauen Alltag verschwinden lassen und schwierige Situationen können in einem anderen Licht erscheinen. Mit einem weiteren gemeinsamen Ritual in der Natur, wurde die Verbindung von Vor- und Nachfahren gestaltet und feierlich zum Ausdruck gebracht.

Es liegt an uns, Verantwortung zu übernehmen, zu handeln. Die Arbeit, die wir in die Kinder investieren, kommt der gesamten Gesellschaft zugute – das ist anders als bei einem Haustier.

Wir sind die Ahnen für die sieben Generationen vor uns, die noch kommen werden.
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